Szenische Lesung
Szenische Lesung und Workshop zum Thema Prostitution
Am Freitag, dem 5. November, bieten die Schauspieler Ulrike Johannson und Thor W. Müller aus Hamburg mit „Sexarbeit – eine Welt für sich“ Einsicht in die soziale Realität hinter der Fassade von Glamour und Stigma beim Thema Prostitution. Die szenische Lesung nach einer Dokumentation von Elisabeth von Dücker, Beate Leopold und Christiane Howe ist eine Collage authentischer Texte aus dem Sexgewerbe und als aufklärendes Kulturprojekt für Menschen ab 16 Jahre geeignet. Anschließend hält die Kuratorin Elisabeth von Dücker einen Kurzvortrag und bietet Gelegenheit für Fragen und Gespräche.
Die Veranstaltung findet um 20 Uhr in der Tangomanie, Hans-Poeche-Straße 2-4, statt. Der eintritt beträgt fünf Euro, drei Euro für Schüler, Studierende, Erwerbslose.
Am darauf folgenden Sonnabend, dem 6. November, bietet ein öffentlicher Workshop mit dem Motto „Prostitution – Angebot und Nachfrage – im Spannungsfeld von Markt und Menschenwürde“ weiteren Raum für Diskussionen der umstrittenen Thematik.
Dabei sind Irmingard Schewe-Gerigk, die Vorsitzende von TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V., Prof. Dr. Rebecca Pates, Politologin an der Uni Leipzig, Ellen Templin, Berlin, Dr. Elisabeth von Dücker, Autorin aus Hamburg, Christiane Howe, TU Berlin, Marlen Schwarz, Gesundheitsamt Leipzig und Dr. Anne Ulrich, Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin. Moderiert wird der Workshop durch die Journalistin Inge Bell aus Leipzig.
Der Workshop findet von 10 bis 17 Uhr in der Volkshochschule Leipzig, Löhrstraße 3-7, statt. Der Tagungsbeitrag beträgt sechs bzw. drei Euro.
Beide Veranstaltungen finden in Kooperation der Städtegruppe Leipzig von Terre des Femmes – Menschenrechte für die Frau e.V. mit Weiterdenken - Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen und der Volkshochschule Leipzig statt.
Anliegen und Hintergrund:
Eine UN-Deklaration aus dem Jahre 1949 beschreibt Prostitution als "mit der Würde und dem Wert der menschlichen Person unvereinbar“ und als eine Gefährdung der Gemeinschaft. Doch wie wird Prostitution heute wahrgenommen und geregelt? Die Sexindustrien gelten weltweit als Sektoren mit hohen Expansionsraten. Nach Angaben der Huren-Selbsthilfeorganisation Hydra gehen allein in Deutschland täglich rund 1,2 Millionen Männer zu Prostituierten und geben dafür jährlich etwa zwölf Milliarden Euro aus.
Wie entstehen diese massenhafte Nachfrage und das entsprechende Angebot nach käuflichem Sex? Wird Prostitution inzwischen schlicht als eine Arbeit zum Gelderwerb gesehen, die es zu enttabuisieren und anzuerkennen gilt? Oder sollte der Kauf sexueller Dienstleistungen – wie in Schweden seit dem Jahr 2000 – auch in Deutschland strafbar sein, weil unvereinbar mit der Menschenwürde? Kann es Prostitution unter „fairen“ Bedingungen geben und wäre sie so letztendlich für die Gesellschaft akzeptabel?
In Deutschland werden die Rechtsverhältnisse der Prostituierten durch das am 1. Januar 2002 in Kraft getretene Prostitutionsgesetz geregelt. Welchen Bedingungen unterliegen die Sexmärkte heute und wie wirken sich die neuen Rechtsverhältnisse in der Praxis auf Prostituierte, Freier und den Betrieb von Prostitutionsstätten aus? Wo stehen die gesellschaftlichen, politischen und die feministischen Debatten? Diese und weitere Fragen im Spannungsfeld von Prostitution und Menschenwürde sollen im Workshop mit ausgewiesenen Expertinnen und einer interessierten Öffentlichkeit diskutiert werden.
zurück


