Gedenk- und Totenbuch der Leipziger NS-Opfer
Im Konzentrationslager Sachsenhausen trug er die Häftlingsnummer 1 – der am 12. Februar 1902 in Zweenfurth bei Leipzig geborene Wilhelm Schilling. Seine offen bekundete Ablehnung des nationalsozialistischen Regimes bezahlte der Schlosser und studierte Maschinenbauer, der seinen ärmlichen Lebensunterhalt mit der Erteilung von Musikunterricht bestritt, um nicht im Maschinenbau der Kriegsvorbereitung des Regimes zu dienen, am 4. November 1939 mit dem Leben.
Leipzig – das war für Wilhelm Schilling und die bisher ungezählten in- und ausländischen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft der Ort ihres Leidens, oft der Todes- und Begräbnisort. Eine Grabstätte, die an Wilhelm Schilling erinnert, gibt es in Leipzig nicht mehr. Aber an sein Leben erinnert ein Stolperstein vor seiner früheren Wohn- und Wirkungsstätte in der heutigen Katharinenstraße 9. Und sein Name findet sich im Gedenk- und Totenbuch der Stadt Leipzig, welches am 27. Januar im Rahmen der Gedenkveranstaltung an die Opfer des Nationalsozialismus (ab 15:30 Uhr) im Neuen Rathaus dem Ersten Bürgermeister, Andreas Müller, in elektronischer Form übergeben wird. Das Buch ist dann auch im Internet (www.leipzig.de/gedenkbuch) abrufbar und ermöglicht Interessierten, die Lebensschicksale zu hinterfragen und Gedenk- sowie Erinnerungsorte aufzufinden.
An seiner Erstellung arbeiten seit dem Stadtratsbeschluss vom 13. September 2000 engagierte Bürgerinnen und Bürger in einer ehrenamtlichen Arbeitsgruppe beim Amt für Stadtgrün und Gewässer, Abteilung Friedhöfe. Es führt die Schicksale von ehemaligen Leipziger Bürgern auf, die in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk oder einer vermeintlich anderen Rasse angehörten oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde. Menschen, die gegen die Gewaltherrschaft und gegen den Eroberungs- und Ausrottungskrieg Widerstand leisteten, an ihrer humanistischen Überzeugung, ihrem Glauben festhielten oder mit ihrer sexuellen Orientierung nicht dem Volksgedanken der Nationalsozialisten entsprachen.
Die ehrenamtliche Arbeitsgruppe engagierter Leipziger Bürger wird ihre Tätigkeit weiter fortsetzen und Schicksale recherchieren. Hierfür sind Hinweise der Leipzigerinnen und Leipziger zu möglichen weiteren Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft unter der Anschrift: Stadt Leipzig, Amt für Stadtgrün und Gewässer, Abteilung Friedhöfe, Dr. Günter Schmidt, Friedhofsweg 3, 04299 Leipzig, Tel. 8 61 10 53, Fax: 8 78 15 35, E-Mail: guenter.schmidt@leipzig.de, gern willkommen