Projekt zur Psychischen Entwicklung von Vorschulkindern
Mit Unterstützung der Stadt Leipzig wird seit Sommer 2009 unter der Leitung von Prof. Dr. Kai von Klitzing an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters die seelische Entwicklung von Vorschulkindern in Leipzig untersucht. Insgesamt sollen bis zu 3000 Eltern mit ihren Kindern angesprochen werden.
Rund 500 Leipziger Familien mit Vorschulkindern wurden bereits befragt. Ein Teil von ihnen wird zu detaillierteren Untersuchungen eingeladen.
Im Rahmen der Kita-Untersuchung des Gesundheitsamtes werden die Eltern der drei- bis fünfjährigen Kinder gebeten, an der schriftlichen Befragung zur sozialen und psychischen Entwicklung ihrer Kinder teilzunehmen. Damit soll neben der sprachlichen und motorischen Entwicklung, die während der Kita-Untersuchung erfasst wird, auch ein Überblick darüber gewonnen werden, wie es den Leipziger Vorschulkindern psychisch geht.
"Diese Studie wird wichtige Erkenntnisse über die seelische Gesundheit von Drei- bis Fünfjährigen in Leipzig vermitteln", so Bürgermeister Thomas Fabian."Auffälligkeiten in der seelischen Entwicklung von Kindern sollten möglichst früh erkannt werden. Dies liegt im unmittelbaren Interesse von Kindern und Eltern. Deshalb empfehle ich den angesprochenen Eltern, mit ihren Kindern an dieser Untersuchung teilzunehmen."
Um mehr über Ursachen und Verlauf emotionaler Symptome wie Ängstlichkeit, Depressivität oder Gehemmtheit zu erfahren, wird es im Rahmen der von der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) geförderten Studie im Anschluss an die Befragungen vertiefte Untersuchungen geben, zu denen etwa 250 Familien eingeladen werden. Hierbei werden Eltern mit Fragebögen sowie die Kinder mit Puppeninterviews befragt. Besonders die Kinder schätzen es dabei sehr, dass man ihnen zuhört und sich um ihre Sorgen kümmert. Ziel ist es, frühe Entwicklungsprobleme und ihre Entstehungsbedingungen, aber auch unterstützende Faktoren für die gesunde Entwicklung zu untersuchen. Damit soll die Grundlage für Längsschnitt-Untersuchungen sowie gezielte Früherkennung und Prävention gelegt werden.
Um ein möglichst repräsentatives Bild zu bekommen, hofft Klinikdirektor von Klitzing auch weiterhin auf eine große Teilnahmebereitschaft der angefragten Familien.
„Die psychische Entwicklung kleiner Kinder ist gerade in Hinblick auf ihre weitere Entwicklung und den späteren Schulstart wichtig“, so von Klitzing. „Obwohl man viel über psychische Belastungen von Erwachsenen weiß, werden ähnliche Probleme im Kindes- und frühen Schulalter oft übersehen. Nur wenn erste Symptome und Auffälligkeiten frühzeitig erkannt werden, können die betroffenen Kinder auch schnell Hilfe erhalten, so dass ihre weitere Entwicklung ungestört verlaufen kann.“
Laut der großangelegten repräsentativen Untersuchung in Deutschland (KiGGS, Hölling et al., 2008) von Kindern zwischen 3 und 17 Jahren zeigen 18,5 Prozent der Kinder psychische Auffälligkeiten. Von Klitzing: „Dabei machen wir oft den Fehler, uns auf die Kinder zu konzentrieren, die lärmende Symptome wie aggressives Verhalten oder Hyperaktivität zeigen, weil diese Kinder eben störend sind. Symptome wie übermäßige Ängstlichkeit und Depressivität werden dagegen gerade im Vorschulalter häufig nicht erkannt.“ Dabei gehören doch in den Industriestaaten Depressions- und Angststörungen zu den häufigsten Volkskrankheiten, die sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft sehr beeinträchtigend sind. „Vieles spricht dafür, dass solche Störungen schon früh im Kindesalter beginnen und auch so früh wie möglich behandelt werden sollten“, so von Klitzing.
Nach Angaben von großangelegten Studien sind es ungefähr 10,5 Prozent der Kinder, die unter beeinträchtigenden Verstimmungen und Ängsten leiden. Eltern, bei deren Kindern Defizite festgestellt wurden, wird je nach Untersuchungsergebnis zum Beispiel der Besuch der Spezialsprechstunde der Universität Leipzig oder weiterführende Hilfe in einer vom Projekt-Team empfohlenen Beratungsstelle angeboten.
„Dass die Stadt Leipzig zusammen mit der Universitätsklinik dieses Thema in Angriff nimmt, zeugt von großem sozialpolitischen Verantwortungsbewusstsein“, lobt der Klinikchef das städtische Engagement. Nach den bisherigen Erkenntnissen ist die Zahl psychischer Probleme bei Leipziger Kindern vergleichbar mit anderen Städten.
Das Projekt soll aber nicht nur Krankheitsphänomene erfassen. Mindestens genauso wichtig ist es den Mitarbeitern, Faktoren zu erforschen, die Kindern trotz manchmal erheblicher Belastungen wie Ehescheidung oder Krankheit der Eltern eine gesunde psychische Entwicklung ermöglichen.
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