Erste Ergebnisse des Lebenslagenreports 2009

Erste Ergebnisse des Lebenslagenreports 2009

Die ZAROF GmbH erstellt im Auftrag der Stadt Leipzig den „Leipziger Lebenslagenreport 2009“. Diese Analyse benennt auf der Basis von Daten (von Ende 2008) und Befragungen verschiedene Faktoren, die die konkreten Lebenslagen der Menschen in der Stadt bestimmen und die damit Einfluss auf deren gesellschaftliche Teilhabechancen haben.

Erste Ergebnisse des Lebenslagenreports 2009

Die ZAROF GmbH erstellt im Auftrag der Stadt Leipzig den „Leipziger Lebenslagenreport 2009“. Diese Analyse benennt auf der Basis von Daten (von Ende 2008) und Befragungen verschiedene Faktoren, die die konkreten Lebenslagen der Menschen in der Stadt bestimmen und die damit Einfluss auf deren gesellschaftliche Teilhabechancen haben.

Fast jeder fünfte Leipziger (18,9 Prozent) lebt derzeit in „relativer Armut“ – im Lebenslagenreport als (Mindest-)Armutsquote bezeichnet, die sich am Bezug sozialer Leistungen festmacht. Folgen relativer Armut wirken sich in verschiedenen Lebenslagen aus. Armut bestimmt sich somit durch das Zusammenkommen mehrerer Faktoren, zum Beispiel durch mangelnde gesellschaftliche Teilhabe oder eine Unterversorgung in den Lebenslagen Arbeit, Einkommen, Gesundheit, die oft zu sozialer Ausgrenzung führen. Studenten zum Beispiel unterliegen anderen Bedingungen als Langzeitarbeitslose, wenngleich die Lebensumstände im Einkommens- oder finanziellem Bereich vergleichbar sind. Ist allerdings erst einmal dauerhafte relative Armut eingetreten – auch das zeigt der Report – ist eine Umkehr aus dieser Situation schwer.

„Die größte Herausforderung für Leipzig ist das Thema ‚Langzeitarbeitslosigkeit‘. Die Zahl der betroffenen Personen hat sich verfestigt und ein großer Teil findet auch langfristig keinen Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt“, so Kathrin Rieger-Genennig von der ZAROF GmbH.

Nicht für alle aufgezeigten Problemfelder stehen der Stadt Leipzig die entsprechenden Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die Festlegung der Höhe von Regelsätzen beim Arbeitslosengeld II und dem Sozialgeld zum Beispiel ist Angelegenheit des Bundes. Mit dem Leipzig-Pass, der Leipzig-Pass-Mobilcard, der Schüler-Mobil-Card und weiteren Angeboten verbessert die Stadt die Möglichkeiten für gesellschaftliche Teilhabe.

Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Freiplätze und ermäßigten Plätze in der Kinderbetreuung wie auch die Zahl der ermäßigten Ferienpässe. Prognostisch ist auch davon auszugehen, dass sich die Kosten der Stadt für die Unterstützung mehrtägiger Klassenfahrten für Kinder von Familien mit ALG-II-Bezug von 2005 bis Ende 2009 verdoppeln (2005 = ca. 320.000 Euro, Ende 2009 voraussichtlich 645.000 Euro).

„Ungleiche Bildungschancen, fehlende Beschäftigung, dazu ein hoher Anteil an Kindern und Jugendlichen, die in Familien mit SGB II-Leistungsbezug aufwachsen - das sind Probleme, die die Stadt auch in den nächsten Jahren vor große Herausforderungen stellen“, betont Bürgermeister Thomas Fabian. „Hier sind wir alle gefragt, da Armut laut Lebenslagenreport nahezu alle Bereiche städtischen und gesellschaftlichen Handelns berührt.“

Neben zielgruppenbezogenen Ansätzen gilt es vor allem, sozialräumliche Entwicklungen zu berücksichtigen. Insbesondere die städtischen Quartiere, die seit Anfang 2000 als Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf gekennzeichnet sind, weisen nach wie vor überdurchschnittliche Werte in Bezug auf Langzeitarbeitslosigkeit und andere soziale Merkmale auf. Hier gilt es, die bisher laufenden Programme und Maßnahmen zu festigen und somit auch in Zukunft Segregationsprozessen entgegenzuwirken.

Die am stärksten von „relativer Armut“ betroffenen Gruppen in der Stadt sind (Stand Oktober 2008):
Alleinerziehende (mit Kindern unter 18 Jahren) (ca. 7.600 = 58 Prozent)
Kinder und Jugendliche (ca. 19.000 = 34 Prozent)
Migranten (ca. 9.300 = 34 Prozent).
Langzeitarbeitslose (ALG II Empfänger) (ca. 15.400 = 24,4 Prozent der ALG II Empfänger)
Senioren (ca. 9.000 = 9 Prozent).

Bis Mitte 2010 – so das Ziel – soll der Endbericht des Lebenslagenreports vorliegen.

Das Jahr 2010 ist auch das Europäische Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung. In diesem Zusammenhang wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) ein Förderprogramm für Projekte aufgelegt, die sich der Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Thema und der Armutsprävention widmen. Die ZAROF GmbH hat in Kooperation mit der Stadt Leipzig den Antrag „Leipziger Initiative zum Europäischen Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung“ gestellt, der unter anderem zwei öffentliche Workshops vorsieht. Das BMAS teilte den mehr als 800 Antragstellern mit, dass eine Entscheidung zur Förderung voraussichtlich Anfang 2010 getroffen wird.
 



Nachricht vom 17.12.2009
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