Weak market cities
„Weak market cities“: Workshop zur Stadtentwicklung in Europa
Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise verschärfen in Deutschland die Probleme der Gemeindefinanzierung, wirken sich im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern aber weniger stark aus. Dies geht als eine wichtige Erkenntnis aus dem Workshop „Weak market cities“ hervor, der am 4. und 5. Oktober in Leipzig stattfand. Rund 20 deutsche und europäische Stadtentwickler und Wissenschaftler trafen sich, um über die Wirkungen von Stadtentwicklungsstrategien der letzten Jahre sowie die zu beobachtenden Folgen der Finanzkrise auf die Stadtentwicklung zu diskutieren.
Am Montag konnten sich die Gäste in einer Exkursion durch die Innenstadt, den Leipziger Osten und Westen sowie den Nordraum einen Eindruck von den erfolgreichen Transformationsprozessen in Leipzig verschaffen. Dagegen standen am Dienstag in einem Workshop die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise im Mittelpunkt der Diskussion. Dabei wurde deutlich, dass diese in den einzelnen europäischen Ländern sehr unterschiedlich sind. Beispielsweise wurde Großbritanniens Wirtschaft durch den Zusammenbruch des Bankensystems und des Immobilienmarktes wesentlich stärker beeinträchtigt als das in Deutschland der Fall war. Für die Städte bedeutete dies eine erhebliche Steigerung der Arbeitslosigkeit und radikale Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand (25 Prozent).
Während die britischen Städte daher sehr direkt von der Krise getroffen werden, sind für die beteiligten deutschen Städte die krisenbedingten Einnahmeverluste eher ein zusätzlicher Baustein in einer in den letzten Jahren durch Übertragung zusätzlicher Aufgaben immer schwieriger werdenden Gemeindefinanzierung. Die direkten Steuerverluste fallen deutlich geringer aus. Dagegen gefährden die Konsequenzen der Sparhaushalte auf Bundes- und Landesebene indirekt wichtige Investitionen in die Stadtentwicklung der nächsten Jahre.
Bei den diskutierten Handlungsansätzen zum Umgang mit dieser Situation lassen sich jedoch durchaus europäische Gemeinsamkeiten feststellen. Ein wichtiges Handlungsfeld ist der Klimaschutz in Verbindung mit den sogenannten „green industries“, welche die Wirtschafts- und Stadtentwicklung gleichzeitig stärken können. „Deutlich wurde, dass es auch bei weniger verfügbaren Mitteln keinen Schritt zurück hinter die Ansätze einer integrierten Stadtteilentwicklung geben darf, wie sie beispielsweise im Leipziger Osten und Westen erprobt sind“, sagt Karsten Gerkens Leiter des Amtes für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung. „Gerade in der Krise sind wir aufgefordert Synergien zu heben sowie Aktivitäten und Mittel des Bau- und Sozialbereichs zusammenzuführen.“
Gefragt sind neue Konzepte, um private und gesellschaftliche Akteure stärker in die Stadtteilentwicklung einzubinden: Mit Projekten wie den „Wächterhäusern“ in Leipzig oder „Co-housing“ in Turin, welches soziales Engagement mit Fragen der Wohnraumversorgung und des Stadterhaltes verknüpft, wurden bereits erfolgreiche Konzepte gefunden, wo Städte voneinander lernen können.
Hintergrund des Workshops ist das Projekt „Weak market cities“, das von der renommierten London School of Economics und dem Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung durchgeführt wird, und derzeit unter anderem durch die Nationale Stadtentwicklungspolitik des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung unterstützt wird. Dabei wurden in den vergangenen Jahren die Erfolgsfaktoren in der Entwicklung verschiedener europäischer Städte untersucht, die nach einem Prozess des Einwohnerrückgangs und der schwachen Wirtschaftsentwicklung den Wandel zu einer stabilen Stadtentwicklung mit zahlreichen positiven Tendenzen erreicht haben. In einer zweiten Phase des Projekts stehen jetzt die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Entwicklung dieser Städte im Mittelpunkt der Diskussion. Aus Deutschland sind an dem Projekt neben Leipzig auch Bremen und Bochum beteiligt.
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