Jugendamtsleiter Siegfried Haller verliert Doktortitel

Uni Halle entzieht Jugendamtsleiter Siegfried Haller den Doktortitel

Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat dem Leipziger Jugendamtsleiter Siegfried Haller seinen Doktortitel entzogen.

Haller verliert Doktortitel

»grob gegen Standards wissenschaftlichen Arbeitens verstoßen«

Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat dem Leipziger Jugendamtsleiter Siegfried Haller seinen Doktortitel entzogen. Am Mittwochabend gab die Uni folgende Pressemitteilung heraus:


Die Philosophische Fakultät I der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg entzieht Siegfried Haller den 2003 verliehenen Doktortitel. Einen entsprechenden Beschluss des Promotionsausschusses hat der Fakultätsrat heute (18.04.2012) bestätigt. Der Entscheidung war eine umfangreiche Untersuchung vorausgegangen.

»Ich bedaure sehr, eine solche Entscheidung verkünden zu müssen, sie war aber nach unserer sorgfältigen und gewissenhaften Prüfung unumgänglich«, sagt Prof. Dr. Burkhard Schnepel, Dekan der Philosophischen Fakultät I. In seiner Dissertation »Das Sanierungsgebiet Hemshof in Ludwigshafen am Rhein - Eine Bilanz von 30 Jahren baulicher Erneuerung und sozialer Veränderung« habe Dr. Haller »grob gegen die Regeln und Standards wissenschaftlichen Arbeitens verstoßen«.

Ganze Unterkapitel habe er wortwörtlich aus fremden Publikationen beispielsweise des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung und des Landes Brandenburg übernommen. »Es gibt dazu Fußnoten mit der Formulierung ‚Text folgt in Auszügen...‘. Seitenangaben in den Fußnoten fehlen aber genauso wie An- und Abführungsstriche im Text. Damit bleibt unklar, was genau wie weit auf einen genannten Autor zurückgeht und was eigener Text sein soll. Es wird der Anschein erweckt, es handle es sich um Inhaltswiedergaben in eigenen Worten. Tatsächlich sind es eben wortwörtliche Übernahmen.«

In mehreren Fällen habe Haller zudem eine von ihm genutzte Quelle zwar genannt, »jedoch an beliebiger Stelle, nicht etwa zu Beginn des nicht kenntlich gemachten Zitats«. Unklar bleibe jeweils, was und wie viel aus der Quelle übernommen wurde. »Um es deutlich zu sagen: Der Promotionsausschuss ist zu der Erkenntnis gelangt, dass es sich nicht um unsaubere Arbeitsweise handelt, sondern um eine Irreführung.«

Der Promotionsausschuss stellte darüber hinaus fest, dass ein Kapitel der Dissertation nahezu vollständig aus einer einzigen Quelle übernommen wurde, der Ludwigshafener Broschüre »Informationen zur Stadtentwicklung« (Heft 9/1991). »Diese Quelle wird lediglich im Anhang aufgeführt. Sie ist weder im Text erwähnt noch offiziell als Publikation Siegfried Hallers ausgewiesen«, erläutert Professor Schnepel. Der Autor habe dem Ausschuss mitgeteilt, dass es sich um seine eigene Leistung handele. »Einen Nachweis dafür konnte er aber auch auf unsere Bitte hin nicht erbringen.«

Nach ernsthaften und reiflichen Überlegungen sei der Promotionsausschuss zur Überzeugung gelangt, »dass der Autor die Gutachter und den Promotionsausschuss getäuscht hat, dies mindestens billigend in Kauf genommen hat«. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen.



Nachricht vom 18.04.2012
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