KWL-Finanzdebakel: Schweizer Berater kassierten 28 Mio. US-Dollar

Nicht, dass irgendwer mit guten Nachrichten gerechnet hätte, als Oberbürgermeister Burkhard Jung am Donnerstag den vorläufigen Abschlussbericht zur Finanzaffäre bei den Kommunalen Wasserwerken vorstellte. Sorgenvolle Mienen auf den Gesichtern aller Beteiligten, als Jung verkündet, was alle ahnten: "Der vorliegende Bericht erhärtet die schon im Zwischenbericht der KPMG getroffenen Aussagen, das be ...

KWL-Finanzdebakel: Schweizer Berater kassierten 28 Mio. US-Dollar

Nicht, dass irgendwer mit guten Nachrichten gerechnet hätte, als Oberbürgermeister Burkhard Jung am Donnerstag den vorläufigen Abschlussbericht zur Finanzaffäre bei den Kommunalen Wasserwerken vorstellte. Sorgenvolle Mienen auf den Gesichtern aller Beteiligten, als Jung verkündet, was alle ahnten:

"Der vorliegende Bericht erhärtet die schon im Zwischenbericht der KPMG getroffenen Aussagen, das betrifft insbesondere die Feststellung zur Risikohöhe von 290 Millionen Euro. Ja, das ist die Gesamtforderungssumme: 290 Millionen, wie wir damals schon vermutet haben."

Weitere Geschäfte, Transaktionen und Risiken habe die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG nicht entdeckt. Klar ist aber, wo die Erlöse aus dem abgeschlossenen Geschäft abgeblieben sind: Über ein Geheimkonto in den USA flossen 28 Mio. US-Dollar an zwei schweizer Berater der Firma Value Partner, was Jung sichtlich wütend macht:

"Offenbar wurde Value Partners als Berater der (KWL-) Geschäftsführung fürstlich entlohnt, und so unglaublich es ist: nachdem, was wir bisher wissen, stieg sogar das Honorar der Berater, je höher das Risiko der KWL wurde", sagte Jung.

Vertraglich sechs Millionen, tatsächlich aber siehen Millionen Euro gingen an die Leipziger Wasserwerke, wo das Geld aber nie offiziell ankam, sondern für andere Aktionen und Berater eingesetzt wurde, wie es hieß.

Noch keine Neuigkeiten gibt es zu den beiden Gerichtsverfahren. Die beteiligte Bank UBS hatte gegen die KWL geklagt, um die Richtigkeit der Verträge feststellen zu lassen und die KWL beziehungsweise die Stadt zur Zahlung zu zwingen. Die Stadt will genau das Gegenteil und hatte vor einer Woche Klage eingereicht, um die Verträge für nichtig zu erklären. OBM Jung gibt sich von der Position der Stadt überzeugt:

"Jedem, der mit deutschen Kommunen Geschäfte macht, muss bekannt sein, dass Geschäfte dieser Größenordnungen mit diesen wahnwitzigen Risiken nicht heimlich in Hinterzimmern abgewickelt werden können, sondern durch die Gremien genehmigt werden müssen."

Die Stadt will erst einmal nicht zahlen, doch der sich anbahnende Gerichtsstreit könnte Jahre dauern. Sollte die Stadt verlieren, sagte Jung offen, würde das weitere Kosten nach sich ziehen. Einen anderen Ausweg sehe er aber nicht.

"Ich kann nicht zulassen, dass in einer für mich augenscheinlich konzertierten Aktion von Bänkern, Beratern und anderen durch zwei illegal abgegebene Unterschriften eine Stadt ausgeplündert wird", sagte Jung kopfschüttelnd.

Die Plünderung steht dabei kurz bevor: in den nächsten Tagen sollen die ersten Forderungen für zweistellige Millionenbeträge reinflattern, bis zu 61 Millionen sollen es sein.



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Länge: 02:41 min
Beitrag vom 05.03.2010

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