Quo Vadis Capa-Haus?
die Geschichte einer vielleicht vergeblichen Rettung
Sonnenuntergang über dem Capa-Haus. Vielleicht ein Anblick, den die Leipziger bald nicht mehr lange haben werden. Das Haus mit der Adresse Jahnallee 61, das die Kulisse für ein welthistorisch bedeutendes Foto bot, steht vor einer ungewissen Zukunft.
Rückblick: Ende Januar mussten am Haus Notsicherungen eingebaut werden. Ein Feuer, jahrelange Niederschläge und Witterungen, die durch das undichte Dach eindringen konnten, hatten dem Gebäude so zugesetzt, dass der Einsturz drohte.
Ein Haus von vielen in Leipzig - doch dieses ist etwas besonderes. Hinter diesem Fenster, als an diesem noch ein Balkon angebracht war, starb vor 67 Jahren ein junger US-Soldat. Getroffen von einer deutschen Kugel direkt zwischen die Augen. Der berühmteste Kriegsfotograf der 20. Jahrhunderts Robert Capa hielt diese Szene am Tag des amerikanischen Einmarsches in Leipzig fest und schuf so ein eindringliches Zeitdokument dieser letzten Kriegstage.
Viele Engagierte aus allen möglichen Richtungen fanden sich, um für das Haus und die Erinnerung an diese Tage zu kämpfen. Darunter auch der 90-jährige Franz Caspari. Am Tag, als das Foto gemacht wurde, war er Soldat in Leipzig.
»Ich lag damals im Lazarett im Elisabetkrankenhaus und bin am 18. April in die Stadt rein, um zu sehen, wie weit die Amerikaner gekommen sind. Es hätte jeden von uns treffen können. Eigentlich war es leichtsinnig, dass ich überhaupt in die Stadt bin. Ich hätte genauso gut erschossen werden können, ich trug ja Uniform«, so der 90-jährige Zeitzeuge Franz Caspari.
Die Abrissgenehmigung für das Haus war schon erteilt worden, das Haus sollte zwangsversteigert werden. Dies geschah wenige Tage später: für 125.000 Euro übernahm eine nicht näher bekannte Frau das Gebäude. Ein eher symbolischer Preis, da die Sanierungskosten auf 4 Millionen geschätzt wurden. Diejenigen, die das Haus retten wollen, waren damals noch vorsichtig optimistisch:
»Es ist ein bedeutsamer, historischer Ort. Wir möchten natürlich, dass angemessen an die Ereignisse vom 18. April 1945 erinnert wird. Natürlich ist es jetzt noch zu früh und es wäre auch ein bisschen vermessen der Investorin Ratschläge zu erteilen. Da sollten wir erst einmal versuchen, vorsichtig aufeinander zuzugehen, um zu gucken, ob es eine gemeinsame Lösung gibt«, so der Landtagsabgeordnete Dr. Volker Külow (DIE LINKE).
Im April trat dann die Erinnerung an diesen Tag und dieses Ereignis noch einmal ins Rampenlicht. Lehman Riggs wurde von der Stadt Leipzig empfangen. Der Tote auf dem Capas Foto war sein Freund und Kamerad. Mit 92 Jahren US-Veteran kehrte er nun nach Leipzig zurück. Dabei kam es auch zur Begegnung mit Caspari. Einst mussten sie Feinde sein. Heute halten sie gemeinsam die Erinnerung an den Krieg in Freundschaft wach.
Ein halbes Jahr später verdecken dichte Bäume viele kaputte Stellen am Capa-Haus, doch auch sie können nicht über den Zustand hinwegtäuschen. Im Verborgenen halten sich auch eher die Pläne der neuen Eigentümerin.
»Wir hatten die Hoffnung, dass die Stadt so handelt, dass man auch ein bisschen etwas mitbekommt. Im Moment habe ich schon die Hoffnung, dass das Haus erhalten bleibt. Aber die Zeit läuft davon, zumindest wäre es jetzt höchste Zeit, dass mehr als die vorgenommenen Sicherungsarbeiten folgen, da das Haus zusehends verfällt, womöglich auch Vandalismus mit im Spiel ist. Wenn man hier ab und zu vorbei fährt, denkt man jedes Mal, dass Schäden dazu kommen«, erklärt Ulf-Dietrich Braumann, der sich für die Rettung des Capa-Hauses engagiert.
Vielleicht ist das Capa-Haus selber nicht mehr zu retten, den Engagierten geht es vor allem aber darum, die Erinnerung an die Ereignisse vom 18. April in Leipzig allgemein und insbesondere an dieser Stelle zu bewahren. Auf alle Fälle hat man von den Mitstreitern so viel Material zusammengetragen, dass man dies in irgendeiner Form auch veröffentlichen will.
Hier starb ein junger Mann einen sinnlosen Tod, das Foto davon zeigt aber mehr - die ganze Sinnlosigkeit des Krieges. Dass dies nicht im Dunklen verschwindet, sollte im Interesse aller Beteiligten liegen.
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