Leipzigs älteste Brunnen: der Mendebrunnen
Dem wohl prachtvollsten Brunnen in Leipzig haftet hartnäckig eine pikante Geschichte an. 1886 wurde der Mendebrunnen von den Bauherren Gnauth und Licht auf dem Augustusplatz geschaffen. Die Mittel für den Bau stammten von der verstorbenen Kaufmannswitwe Marianne Pauline Mende, die per Testament nach ihrem Tod 150.000 Mark zur Errichtung eines Brunnens spendete.
Anrüchig wird die Geschichte erst, als Egon Erwin Kisch 1927 in einer Reportage aufdeckt, dass Mende Besitzerin eines Bordells war. Ein pikantes und keinesfalls unwesentliches Detail für die Leipziger. Der Name Mendebrunnen kam den meisten jetzt nur noch mit einem gewissen Unterton über die Lippen.
Was zu der Zeit kaum einer wusste: es gab zwei Frauen mit Namen Mende in Leipzig. Die eine besaß tatsächlich ein Bordell. Die Spenderin hingegen war eine ehrbare Kaufmannswitwe und spendete das Geld, um ein Gedenken an ihren verstorbenen Mann zu schaffen.
Die Geschichte vom Brunnen, der zur Reinwaschung irdischer Sünden geschaffen wurde, ist demnach ein - vielleicht von Kisch sogar beabsichtigtes - Missverständnis.
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