Fairer Handel wächst stetig weiter
viele Läden und Geschäfte in Leipzig setzen sich für den gerechten Lohn ein
(Ein Beitrag des Deutschen Christlichen Fernsehens)
Die Armen tragen der Reichen Last. So war es schon immer - könnte man meinen - und meistens stimmt das auch. Doch seit einigen Jahren möchten einschlägige Institutionen mit fairem Handel dafür Sorge tragen, dass Menschen, die stark zu unserem täglich Wohl beitragen, auch entsprechend für ihre Arbeit entlohnt werden. Was sich zunächst als ganz selbstverständlich anhört, ist es jedoch bei Weitem nicht.
In Leipzig gibt es Geschäfte, die ausschließlich auf fair gehandelte Ware setzen. Einen von Ihnen betreibt Edith Korb, Inhaberin des »Per-Le« Fair Trade und Second Hand:
»Der erste Punkt ist sicher der, dass ich ein sehr gerechtigkeitsbewusster Mensch bin. Ungerechtigkeit halte ich sehr schwer aus. Ich glaube, einer der Hauptgründe ist der, dass Jesus sagt: wir sollen unseren Nächsten lieben wie uns selbst und uns für die Schwachen einsetzen. Daraus folgt auch für mich der Gedanke: wenn ich schwach wäre, also in der Industriekette ganz unten sitzen würde, würde ich mir wünschen, dass Leute, die die Macht haben, das ändern. Fair Trade ist deswegen für mich etwas, bei dem ich mir sage: ich kann es verändern. Es kann jeder Mensch und jeder Konsument entscheiden, wo er sein Geld hingibt. Das ist eine ganz normale und einfache Kaufentscheidung, die auch jeder in seinem Leben umsetzen kann. Das ist meine Motivation zu sagen: ich kann mir das nicht ansehen, wie verschiedene Dinge produziert werden; wie Menschen und Tiere behandelt werden. Das ist mein Beitrag, ein bisschen was zu verändern«
Fair Trade ist nichts für den schmalen Geldbeutel. Dennoch decken die Erlöse aus fair gehandelten Waren gerade mal die notwendigen Herstellungskosten, soll heißen: einen wirklichen Gewinn erfahren die Produzenten noch lange nicht.
»Mir ist aufgefallen, dass viele Länder in der EU - was die Thematik fairer Handel betrifft - uns einen ganz großen Schritt voraus sind. Da habe ich es mir persönlich und mit meinem Team zur Aufgabe gemacht, der Thematik hier mit unserem Geschäft »Contigo« in Leipzig Flügel zu verleihen und den fairen Handel einen Stück weiter voranzubringen und es bekannter zu machen.
Für jedes Produkt bei uns kann der Kunde die Kalkulation einsehen, wenn er in irgendeiner Form daran zweifelt, dass der Produzent auch tatsächlich genug Geld bekommt. Das läuft über uns und wir können das über jedes Produkt anfordern. Dem Kunden liegt dann die Aufspaltung vor: vom Einkauf bis zum Verkauf. Das machen wir und haben wir auch schon gemacht.
Fairer Handel ist längst keine Nische mehr. Laut TransFair haben 2009 die deutschen Verbraucher Fair Trade Produkte im Wert von über 340 Millionen Euro gekauft; das ist eine große Menge. Das macht eine Steigerung von 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Das stärkste Fair Trade Produkt ist nach wie vor der Kaffee. Die Gründe dafür sind ganz klar: es gibt mehr Fair Trade Hersteller, ein großes Engagement von Hotel und Gastronomie, sowie die größere Nachfrage«, sagt Anica Deckert, Leiterin »Contigo«.
Guter Kaffee allein bekämpft noch lange nicht die Armut der Produzenten. Entscheidend dafür ist das Verantwortungsbewusstsein der Verbraucher hierzulande dem Erzeuger gegenüber.
Christiane Pfundt, Inhaberin des »Grünschnabel« Fair Trade Fashion Leipzig bekräftigt:
»Ich hoffe natürlich, dass auch die Medien ihren Beitrag dazu leisten. Ich glaube, dass das ganz wichtig ist. Es soll Aufklärung betrieben werden. Die Thematik ist sehr weit weg, man hat sehr viele andere Dinge im Kopf und denkt nicht ständig darüber nach, was am anderen Ende der Welt passiert. Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass sich noch mehr Städte als Fair Trade Town bewerben und dass das Thema in der Öffentlichkeit noch mehr publik gemacht wird«
Inzwischen sind fair gehandelte Produkte bundesweit in rund 800 Weltläden, 30.000 Supermärkten, Bio- und Naturkostläden und bei etwa 6000 Aktionsgruppen erhältlich. Vielleicht kann ein Besuch in einem der vielen Fair Trade Läden die Sichtweisen ändern. Strenge Kontrollen und das Fair Trade Gütesiegel sorgen für Transparenz. Und: Der Faire Handel wächst stetig weiter.
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