Messemännchen
Globus-Kopf mit Pfeife, MM-geschmückter Hut, blauer Anzug und Reisekoffer: So kennt man es, das gute alte Messemännchen. Bis zum Jahr1990 war es als Werbeträger der Leipziger Messe unterwegs und ist bis heute Kult.
Zur Leipziger Herbstmesse 1964 feierte das Maskottchen - geschaffen vom Regisseur und Sandmännchen-Erfinder Gerhard Behrendt (1929 - 2006) - seine Premiere. Dem Erstauftritt folgte die Frage der Serienproduktion. Zunächst musste die Materialfrage für das "zerlegbare Plastikmännchen", wie es offiziell genannt wurde, geklärt werden. Ein Kopf aus Pappe, wie ursprünglich geplant, scheiterte an Zulieferkapazitäten. Gewohnt, mit dem Mangel an Material umzugehen, fand der erste damals noch private Produzent heraus, dass Gummiköpfe die billigste Lösung seien. Dann könne man das Männchen für 6 bis 7 Mark der Deutschen Notenbank anbieten, hieß es - vorausgesetzt, es fände sich ein Hersteller von Gummibällen und man bekäme eine Pressform für den Kopf.
Letztlich klappte wohl alles, denn zur 800-Jahr-Feier von Stadt und Messe 1965 bevölkerte das Messemännchen die Leipziger Souvenirläden. Allein in diesem einen Jahr wurden 40.000 Exemplare produziert, 35.000 davon in einem Altenburger Unternehmen, aus dem auch Pittiplatsch und Sandmännchen stammten. Schon bald wurde das Motiv auf andere Werbeträger wie Wimpel und Tischdeckchen übertragen - damals wie heute sicher eine Frage des Geschmacks.
Der gelbliche Kopf und die blaue Kleidung des Messemaskottchen verweisen auf Leipzigs Stadtfarben, der Globuskopf auf den weltoffenen Handel. Mit der Tabakspfeife keck im Mundwinkel, war das Messemännchen nicht nur ein beliebtes Mitbringsel von Leipzig-Besuchern, sondern wurde vor allem im Ausland gern als Werbegeschenk verwendet. Die Medizinzeitung "humanitas" allerdings lief Sturm gegen die vermeintliche Tabakwerbung und wetterte: "Warum rüstet man diese hübsche Werbefigur mit einer Pfeife aus?" Die Pfeife blieb dennoch - und inspirierte die KWO Kunstgewerbe-Werkstätten Olbernhau, anlässlich seines 40. Geburtstags 2004 das Messe- als erzgebirgisches Räuchermännchen in einer limitierten Auflage von 2.004 Figuren wiederzubeleben. Im Jahr darauf schuf die Firma Erzgebirgische Holzkunst Gahlenz zwei Super-Messemännchen, jedes 2,20 Meter groß und 250 Kilogramm schwer. Die Messeriesen haben ihren Platz im Verwaltungsgebäude der Leipziger Messe sowie beim Leipzig Tourist Service gefunden.